Deutscher Donnerstag: Ein Sommernachmittag

1859_53921_l

Es war ein lauer Sommernachmittag im späten Juni
Ich saß mit meinem Herz am Bach hinterm Haus
das Wasser umfloss unsere Füße
und spritzte, während sie taub wurden.

„Was erwartest du vom Leben?“
Ich löste meinem Blick vom Wasser
und sah hinüber zu meinem Herzen
es hatte die Augen geschlossen.

„Darüber habe ich noch nie nachgedacht.“
Ich schwieg. Mein Herz auch, aber ich spürte
wie es sich regte – mich prüfend ansah.
Es wartete auf eine Antwort.

„Alles“, sagte ich und hoffte philosopisch zu sein.
Mein Herz, hätte es Augenbrauen gehabt,
wirkte ungenügsam.
Ich hob meine Hand gegen die Sonne.

Leben. Das wollte ich.
Mit allem was dazugehört.
Liebe. Leid. Glück. Schwerelosigkeit.  Winter
und Sommer. Ferien. Urlaub. Lichter. Tanzen.
Dinner. Musik. Kunst. Staub. Museen. Getränke
mit Erdbeeren. Schnee in meinen Händen, Sonne
auf meiner Haut. Familie. Geborgenheit.
Und Trauer. Tränen. Nebel. Erde. Müdigkeit
die man bekommt, wenn man zu oft über seine Grenzen ging.
Kraftlosigkeit, nach einem Tag voll körperlich harter Arbeit.

„Ich will Echtheit“, sagte ich schlicht.
„Das echte Leben. Alles davon.“
Mein Herz nickte, es hatte verstanden und
gefühlt, was ich fühlte.
„Erwartungen an das Leben…“

Der Wind hob sich und wirbelte schwarze Wolken auf.
Sie überzogen den Himmel, begleiteten die Sonne.
Der Regen prasselte hinab und wir hoben schützend die Arme
während wir hinüber zum Haus liefen.

Alisa Riechmann

Bild aus “Der Geschmack von Apfelkernen”
Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s