Eine Liebesgeschichte

I.

Wie kann es passieren? Wie so etwas passieren kann? Man ist nicht unglücklich – zumindestens war ich es nicht – man ist relativ zufrieden, aber wirklich glücklich ist man auch nicht. Da ist eine Leere und – nein, lass es mich anders erklären. Alles ist in Ordnung, man hat seine Ziele erreicht. Frau, Haus, Kinder, einen guten Job; man liebt alles, es ist alles einem ans Herz gewachsen und man würde es missen, wenn es nicht mehr da ist. Es ist gewohnt und Gewohnheit ist gut und hier bleibt man jetzt. Und dann – schnipp – erscheint alles in einem anderen Licht. Man ist eines Morgens aufgewacht und irgendwas ist disharmonisch in deinem Bild und du überlegst und kommst nicht drauf bis es dir, wie Schuppen von den Augen fällt: Es bist du. Du bist nicht unzufrieden, aber glücklich bist du auch nicht mehr. Es geht dir alles irgendwie auf den Geist, deine Frau, wie sie vollkommen angespannt schon für den kommenden Tag ihre Zähne putzt und den Kaffee schon wieder zu stark gemacht hat und dein Kind, was sein Müsli nicht essen kann ohne mit dem Löffel gegen die Zähne zu klimpern und das Garagentor, das seit Wochen klemmt und du immer noch nicht dazu gekommen bist, es zu reparieren. Und die schlechte Laune ist einfach da und sie bleibt und sie geht nicht weg und sie wird ein Teil von dir und du lebst damit; es ist ja nicht so, dass es dir nicht gut geht, du hast immer noch Spaß am Leben und deine Frau ist toll und deine Kinder ja eigentlich supersüß; Es ist nicht so, als hättest du dein Leben satt. Überhaupt nicht – jedenfalls ich nicht. Also, wie kann es passieren? Man hat wieder Schmetterlinge im Bauch, man ist verwirrt – wieso habe ich jetzt Schmetterlinge im Bauch? Die hatte ich seit Jahren nicht mehr – und man kann es nicht glauben. Du weißt vielleicht noch nicht einmal, dass es Schmetterlinge sind. Ihr denkt ihr seit nur gute Freunde, die sich auf Anhieb verstehen und man macht viel mit der Person und dann schaut man sich sein Leben an und denkt sich, es hängt schief. Das Bild ist nicht nur falsch, es hängt schief. Man entschließt sich, es zu richten und man merkt, dass man es nicht kann. Und was macht man dann? Man hängt es ab und stellt eine Leinwand auf und nimmt Farbe und beginnt von vorn. So einfach ist das. So einfach kann es passieren. Man macht es einfach, weil man irgendwie keine andere Wahl hat.

  • – Alisa
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